15.6.-21.6. – Vancouver und Rückflug

Die Tage in Vancouver waren eher unspektakulär, was nicht heißen soll, dass sich Vancouver nicht gelohnt hat. Es sollten entspannende Tage werden, also keine Party. Montag war nichts anderes als shoppen (Yay, endlich neue Schuhe!) und Downtown erkunden angesagt. Das Rad ist im Keller des Hostels geblieben. Abends gab es im Stack House einen Burger, was ich nicht empfehlen kann. Teuer, unkreativ und gar nicht mal so lecker. Außerdem war die Bedienung unmöglich. Naja. Satt gemacht hat er trotzdem.
Dienstag ging es dann nach Granville Island, in die Vancouver Art Gallery und in die Telus Science World. Granville Island ist grandios. Haufenweise kleine Ateliers, eine riesige Markthalle mit allen möglichen Leckereien und etliche kleine Restaurants.

Die Telus Science World hat sich nicht gelohnt. Viel zu teuer, außerdem ist sie nur für Kinder bis 6 geeignet. Hätte mir der Mensch an der Kasse auch sagen können… Das einzige witzige war die Fahrt mit dem Water Bus dorthin. Dafür war die Ausstellung von Douglas Coupland (Erfinder der „Generation X“) in der Vancouver Art Gallery super.

Abends gab es Sushi im Shizen Ya. Das kann ich jedem nur empfehlen. Weil es so gut war, bin ich Donnerstag Abend gleich nochmal hin, mit einem Österreicher, der ein Jahr durch die Gegend tourt und in Vancouver einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Tokio und von dort weiter nach Thailand gemacht hat.

California Roll mit Mango und eine Rolle, deren Namen ich nicht mehr weiß, die aber auch extrem lecker war. Alles Bio, und recht humane Preise.

Mittwoch bin ich dann mal wieder etwas Rad gefahren. Zwei Tage ohne haben sich schon etwas komisch angefühlt. Es ging über verschiedene Strände immer an der Seaside entlang bis zum Wreck Beach. Vancouver macht schon einiges für Fahrradfahrer. Viele neue Radwege, viele Straßen wurden in Einbahnstraßen umgewandelt. Auf dem Weg zum Wreck Beach ist mir das Museum of Anthropology der UBC aufgefallen. Nach den vorherigen Erfahrungen habe ich mir ein paar Minuten überlegt, ob ich den Eintritt noch ausgeben soll, habe es dann schließlich aber gemacht. Und es hat sich wirklich gelohnt. Die Ausstellung über die First Nations war toll (sehr eindrucksvolle Totempfähle und andere Holzarbeiten der Indianer), außerdem gab es noch eine Ausstellung über kubanische Kunst, europäische Keramik (okay, eher unspannend) und einen Raum voll mit Vitrinen, deren Inhalt man fast als Plunder bezeichnen möchte. Das dürfte so ziemlich die gesamte Sammlung des Museums gewesen sein – japanische und asiatische Kunst, Schmuck und Kleidung der Indianer, Porzellan, … Unglaublich viel Zeug, das man sich unmöglich an einem Tag anschauen kann. Die Labore waren leider nicht geöffnet. Üblicherweise kann man den Studenten in den Laboren aber beim Restaurieren von Kleidung, Keramik usw zuschauen, ihnen in den Laboren Fragen stellen.

Der Wreck Beach war ganz nett, aber nicht so toll, wie ich es erwartet hatte. Vielleicht bin ich auch an der falschen Stelle die Treppen heruntergestiefelt. An Schwimmen war nicht nur aufgrund der Kälte nicht zu denken. Auch der Uferbewuchs und die Millionen Baumstämme halten einen davon ab.

Donnerstag war schließlich ein absoluter Faulenztag. Bin nur kurz in die Stadt, um Verpackungsmaterial für mein Fahrrad zu organisieren und abends dann noch in der Watertown auf die Suche nach Essen gegangen. Fündig geworden bin ich im Lamplighter Pub – relativ günstiges Essen, gute Burger, gutes Bier einer lokalen Brauerei.

Freitag ging es dann um 17 Uhr mit einer knappen Stunde Verspätung wieder zurück nach Frankfurt. Wurde irgendwie auch Zeit. Die Luft war nach vier Wochen etwas raus und Giovanna hat auch sehr gefehlt. Das Fahrrad hat es leider nicht mit in den Flieger geschafft, weil es in der Gepäcksortieranlage hängen geblieben ist, aber es wurde Montag dann zum Glück unbeschädigt per Spedition geliefert.

15.6. – Vancouver

Heute ging es weiter nach Vancouver. Die letzten 120km! Damit hat die Reise nach wahrscheinlich gut 1900km ein Ende. Los ging es erst gegen 10. Bin nicht aus dem Bett gekommen, musste erst im Hostel noch ordentlich frühstücken, danach telefonieren und naja. plötzlich war es spät. Angefangen hat die Etappe wie die Reise. Mit ätzend  viel Regen. Seit langem mussten mal wieder die Regenklamotten ran, und für gut 60km war an Ausziehen nicht zu denken. Leider hat man wegen der ganzen Wolken nicht viel vom Sea-to-Sky Highway gesehen.  Das, was zu sehen war, als die Sonne dann endlich mal durch kam, war wirklich schön. Türkisblaues Meer, Schrottkähne am Strand und schneebedeckte Berge.

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Der Sea-to-Sky Highway selber ist eher weniger gut mit dem Rad zu befahren. Wieder die üblichen rumble strips, die teilweise zu nah an den Betonbegrenzungen sind, Gullis, die ungefähr 10cm tief sind, Splitt, extrem viel Verkehr auch sonntags (und die Autofahrer nehmen hier auch fast keine Rücksicht. 30cm Platz? Ach, völlig ausreichend bei 100km/h Geschwindigkeitsdifferenz!). In Vancouver dann ein ähnliches Bild. Gegenverkehr in 50m Entfernung? Reicht zum Überholen – oder auch nicht, weil sie sich Nase an Nase gegenüber standen. Den hochgehaltenen Daumen konnte ich mir nicht verkneifen. Alberta war wesentlich angenehmer, auch wenn viele in Blogs geschimpft haben. Mal schauen, was die nächsten Tage in Vancouver bringen. Sind zwei mehr als ursprünglich geplant. Das Fahrrad bleibt vorerst mal im Hostel im Keller stehen. Die Beine sind nach den letzten Etappen ausgelaugt, wobei die von Lillooet nach Whistler die mit Abstand schlimmste der Reise war. Vielleicht darf es Mittwoch oder Donnerstag mit nach Vancouver Island.

14.6. – Whistler

Heute war endlich mal richtiger Faulenztag. Das Rad kein einziges Mal angeschaut, und stattdessen mit dem Bus vom Hostel in die Stadt gefahren. Whistler ist eine interessante Mischung aus Menschen mit zu viel Geld und extrem vielen Mountainbikern. 100$ waren mir dann aber zu viel, obwohl man eigentlich hätte fahren gehen sollen. Naja, nächstes Mal vielleicht. Stattdessen gab’s gutes Essen im Hot Buns nachmittags und dem Mongolian Stirfry abends. War extrem gut…Wer mal da ist – earls direkt nebenan ist zwar auch gut, aber nachdem sie mich 10 Minuten auf einen Tisch haben warten lassen…kann ich den anderen Laden nur empfehlen. Ist tatsächlich leckerer und billiger. Und hat was, wenn man den Köchen sowohl beim Kochen als auch Kunststücken mit den Kochutensilien zuschauen kann.

13.6. – Pemberton und Whistler

Der Ruhetag war leider nicht ganz so entspannt, wie ich mir das vorgestellt hatte. War wohl etwas zu viel Sonne auf dem Weg nach Lillooet,  was sich dann in fürchterlichen Kopfschmerzen und Übelkeit am nächsten Morgen geäußert hat. Kopfschmerztabletten und viel Powerade haben zum Glück geholfen und abends ging es wieder besser. Die Nacht war trotzdem eher kurz. Halb 6 aufgewacht, Zelt abgebaut, und um kurz nach 7 ging es dann los in Richtung Pemberton, auf die schlimmste Etappe. Angefangen hat es mit einem 13%-Anstieg von knapp über 300m bis auf etwas um die 700m.

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Das Schild für die Gegenrichtung nach Lillooet

So ging es dann noch einige Meter und Serpentinen weiter nach oben. Bis zum ersten „Pass“ war schon erschreckend viel Wasser weg. Danach kam eine schöne Abfahrt bis auf ca. 400m. Blöderweise liegt der zweite, richtige Pass auf über 1300m. Bis dahin ging es durch ein schönes, enges Tal etwas gemütlicher den Berg hoch, wobei auch wieder einige 13%-Abschnitte dabei waren. Aus dem Höhenprofil lässt sich nur sehr schlecht erahnen, wie hart der Anstieg ist. Viele Hügel werden einfach rausgeglättet und nur sehr ungenau wiedergegeben. Auf jeden Fall stimmten die Versprechungen, dass es eine sehr reizvolle Strecke ist.

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Duffy Lake

Nach 65km Aufstieg war der Pass endlich erreicht. Der Aufstieg in Richtung Lillooet ist noch gefürchteter. Teilweise 15%, im Schnitt auf 15km dürften es über 10% sein.
Die Abfahrt war furchterregend. Selten auf dem Rad Schiss gehabt, aber die Abfahrt war heftig. Zwischendurch hatte ich Angst, dass es mir durch das viele Gepäck in den Kurven das Hinterrad zerreißt,  und kurz vor Ende der Abfahrt stieg dann ein etwas unangenehmer Geruch von den Bremsen auf. Die Bremsleistung tendierte dann auch zu „kaum noch vorhanden“ – also war Pause angesagt. Die Bremsscheiben waren blau angelaufen. Ich war auf jeden Fall froh, dass ich mich mit meinem Wunsch nach 180mm-Bremsscheiben durchgesetzt habe. 160mm Scheiben hätten wohl schon früher schlapp gemacht. Bis zur Zwangspause dürfte der Schnitt auf der Abfahrt bei ungefähr 60 gelegen haben. An Mittreten war nicht mehr zu denken und die Insekteneinschläge waren recht schmerzhaft. Nach der Pause kamen die letzten paar Serpentinen und dann war die Tiefebene, in der Pemberton liegt, erreicht. Erstaunlicherweise haben sich die Beine nicht so schlecht angefühlt, so dass ich nach einem Radler und was zu essen beschlossen habe, nach Whistler weiter zu fahren. Riesiger Fehler. Das sind dich noch etliche Höhenmeter und am Schluss habe ich den letzte Winkel der Taschen noch nach versteckten Müsliriegeln gesucht. Die letzte paar KM bestanden aus Fahren, 5min Pause, 2km Fahren, 10min Pause usw. Im Visitor Center gab es zum Glück Cola. Und dann gab es endlich was Richtiges zu essen…Pfefferschnitzel. Extrem lecker.

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Bis zum Hostel waren es noch 10km. Selten hat sich ein Bett so gut angefühlt. Aus einer geplanten Nacht sind jetzt auch zwei geworden. Mit den dicken Beinen heute war an radeln nicht zu denken. So gibt es jetzt Kaffee und Cinnamon Buns, und ein bisschen schlendern durch die Stadt. Erinnert schon etwas an eine Mischung aus Ischgl und St. Moritz. Passenderweise gab es heute noch eine Benefizrallye, um den Eindruck nochmal zu verstärken. Sehr viele, sehr teures Autos…
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BMW i8, Lamborghini Hurracan, einige Aston Martin, viele Porsche und Nissan GTR, McLaren MP4-12C und P1, mehrere neue Corvette, Mercedes SLS en Masse, viele Ferraris. Ein Traum für jeden Autofan 😉
Morgen geht es wahrscheinlich direkt bis nach Vancouver. 120km und sehr viel runter.

unsortierte Bilder von der Duffey Lake Road

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Am Indianer-Infodingens

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Alte Brücke nach Lillooet

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Lillooet

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Seton Lake

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13% Steigung, in der Kurve selber noch mehr

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Ende vom Duffey Lake. Von den Stämmen hat er seinen indianischen Namen

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Liebeserklärungen aus Steinen

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Es geht immer noch hoch...

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Abfahrt! o/

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Lillooet Lake kurz vor Pemberton

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Whistler! (Upper Village)

10.6.-12.6. – Cache Creek und Lillooet

Dienstag bin ich von Kamloops nach Cache Creek gestrampelt. Um die 90km durch eine mehr oder weniger wüstenähnliche Landschaft. In Kamloops ging es erstmal von Downtown aus den Berg hoch. Danach war ich schon ziemlich platt. Mehr als Granny Gear auf dem Bürgersteig war nicht drin. Um den Highway zu vermeiden (auf dem Abschnitt ist Radeln verboten), bin ich bis hinter eine LKW-Wiegestation am Highway gefahren und hab mich dort auf den Highway gemogelt. Waren dann nur noch 600m verbotene Strecke. Bis Cache Creek war es ein fürchterliches Auf und Ab. Bis dato war es wohl eine der langsamsten Etappen. Am, wie passend, Deadman River ging kurz gar nichts mehr. Hier musste der letzte Muffin dran glauben, und eine Flasche Wasser. Giovanna hat mich dann per WhatsApp zusätzlich aufgemuntert. Nach sechs Stunden radeln durch die Hitze bin ich in Cache Creek angekommen und nach dem Aufbauen vom Zelt direkt in die Stadt geradelt. Bei  Subway dann „Sorry, we are closed.“ Komisch, aber okay. Gibt ja genug Alternativen. Zu DQ weitergefahren, gleiches Spiel. Stromausfall in der ganzen Stadt. Nix zu essen, nicht mal im Supermarkt. Weil ich keine Lust hatte, wieder zum Campingplatz hoch zu radeln und dort zu warten, habe ich es mir die Stunde, bis der Strom wieder da war, auf dem Trike gemütlich gemacht. Ist bei DQ geblieben, war aber irgendwie nicht so doll…
Die Nacht war dann dafür super. Kein Zug! Und (fast) kein Highway! Halb 10 eingeschlafen, aber um halb 5 stand ich dann trotzdem wach im Zelt. Blöde neue Zeitzone seit dem Rogers Pass. Dadurch geht die Sonne früher unter und entsprechend früher wieder auf. Um 8 habe ich mich nach einem mauen Frühstück aufs Rad geschwungen und bin in Richtung Lillooet geradelt. Den Abend hatte ich noch die Besitzerin vom Campingplatz gefragt, wie die Strecke ist: „Oh, mostly flat.“ Nur eine Steigungen, von der man aber das Ende sehen könne. Als ich bei der war, hatte ich den Pass schon hinter mir. Gnnn! Bis dahin ging es gut 500m nach oben. Traue keinem Kanadier, der mostly flat sagt. Mostly flat bedeutet glaube ich „im Durchschnitt weniger als 10% Steigung bei Anstiegen“. Bei der letzten Etappe, bei der mir das gesagt wurde, war das Resultat ähnlich. Die 83km bis Lillooet waren gegen halb 2 geschafft. Nachdem ich total platt war, habe ich beschlossen, hier einen Ruhetag einzulegen, um für die nächste böse Etappe fit zu werden. 1300HM und 100km nach Pemberton.
Falls sich mal jemand nach Lillooet verirren sollte: Spart euch den Griechen. Macht satt, aber nicht zufrieden. Als Nachtisch gab es noch einen Burger von A&W, der ganz gut war.
Etwas unsortierte Fotos, aber sie haben ja GPS-Informationen:
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7.6.-9.6. – Ruhetag in Revelstoke, Salmon Arm und Kamloops

Der Ruhetag in Revelstoke war bitter nötig. Die 150km über den Rogers Pass haben mir am Ruhetag und auf dem Weg nach Salmon Arm ganz schön in den Beinen gesteckt. Am Ruhetag habe ich Revelstoke noch etwas erkundet. Erstmal ausgeschlafen und dann ab auf den Farmers Market – der leider etwas enttäuschend war. Ziemlich klein für deutsche oder Karlsruher Verhältnisse. Ein Gemüsestand, sehr viel Honig, drei oder vier Kunststände. Das war’s. Danach ein dickes Frühstück und dann ging die Futterei auf dem Campingplatz weiter, um in einer riesigen Portion Nudeln abends zu gipfeln.
Gestern ging es weiter nach Salmon Arm. Hauptsächlich hoch und runter. Die Landschaft hat zwischendurch fast schon an den Schwarzwald erinnert. Der Shuswap Lake war dann endlich mal wieder was sehr schön anzuschauendes. Ein riesiger See, viele Partyboote, viele sehr schicke Häuser, viele dicke Autos…Der eigentlich Plan war es, nur bis Sicamous zu fahren, aber weil es ziemlich gut lief (fast nur bergab) bin ich bis hinter Salmon Arm weitergeradelt, d.h. eine Etappe gespart und einen Tag in Vancouver gewonnen. Die Nacht war eher unruhig. Konnte man fast erwarten mit Bahngleisen 5m hinter dem Zelt. Und dem Highway 20m dahinter. Blöderweise gab es kein drinking water, aber dafür war die Nacht sehr billig und das Zelt stand fast am Strand. Die Managerin war auch sehr witzig. Eine kanadische Aussteigerin um die 40, die Ewigkeiten durch Kanada getourt ist und sich dann irgendwann den Campingplatz zugelegt hat. Gab auch gut Rabatt,  nachdem ich ihr von meiner Tour erzählt habe 🙂
Heute Morgen ging es weiter nach Kamloops. Die Landschaft hat sich mittlerweile extrem geändert. Nur noch Hügel, eher spärlicher Bewuchs, und viel dichter besiedelt. Die 100km waren in 5 Stunden geschafft, obwohl es morgens noch ziemlich schlecht lief. Kamloops an sich ist tatsächlich ziemlicher Mist mit dem Fahrrad.  Haufenweise gravel auf dem Seitenstreifen, relativ viel Verkehr…aber hat alles geklappt. Morgen wird es spannend, weil der Highway eigentlich für Radler gesperrt ist. Aber 40km Umweg für 3km gesperrte Highway? Ist doch bescheuert… Dann lieber etwas schneller radeln und hoffen, dass es niemand mitbekommt.
Heute Nacht ist mangels Campingplatz AirBnB angesagt, bei Yvonne, einer Künstlerin, die von ihren Kindern bei AirBnB angemeldet wurde, weil sie meinten, dass ihre Bilder allein nicht genug Geld einbringen. Ich bin ihr erster Gast. Wunderschönes Haus direkt in Downtown Kamloops. Jetzt gerade gibt’s im Noble Pig Jerk Chicken und ein Bier aus der Hausbrauerei. Falls mal jemand hier ist: Das Essen ist richtig gut, und das Bier ebenfalls.

6.6. – Revelstoke

Heute morgen kurz nach 8 ging es los, nachdem ich mich ewig nicht aus dem Schlafsack in die Kälte begeben wollte. Eventuell lang es auch daran,  dass ich noch eine ganze Weile mit einem kanadischen Radler (der bis September von Vancouver nach St. John geradelt sein will) in einem Pub saß und Bier getrunken habe 😉
Naja, wird wohl morgens knapp über 0°C gehabt haben. Es war also sogar im Schlafsack ziemlich frisch. Dann bei Tim Horton’s mit Süßkram eingedeckt. Die Dame am Schalter hat etwas irritiert geschaut bei der riesigen Bestellung bestehend aus einigen Muffins und Donuts. Aber sie muss ja auch keine 152km überstehen. Die ersten 30km waren relativ flach mit den üblichen kleinen Hügeln zwischendurch. Landschaflich war es wieder eher so meh…Irgendwann kam dann die Steigungen. Es ging fast schon bis auf Passhöhe hoch – und dann wieder ziemlich weit runter. Toll. Der Aufstieg zum Rogers Pass war dann ziemlich heftig, weil er teilweise relativ steil ist und sich ewig zieht. Die Snowsheds haben ihr übriges dazu beigetragen. Ist nicht so witzig, wenn man darin von einem Truck überholt wird.  Und auf dem Aufstieg gab es 5 oder 6 davon. Beim Aufstieg mussten auch unzählige Granola Bars ihr Leben lassen. Mal eben 1500 Kalorien nur mit Müsliriegeln. Oh weia… Oben am Pass wollte dann ein Ranger wieder alles über das Rad wissen und ich würde genötigt, die Ausstellung im Visitor Center anzuschauen. Wer da mal vorbei radeln sollte – keine Hoffnung auf Essen machen. Da ist alles dicht. Einzig Wasser kann man im Visitor Center nachfüllen. Die Abfahrt hat danach für die Strapazen des Aufstiegs teilweise entschädigt. Ging 20km ziemlich flott bergab. Die letzten 50km haben sich allerdings gezogen wie Kaugummi. Hoch und runter, ab und zu mal wieder eine Abfahrt und haufenweise Trucks. Kurz nach 4 war dann aber Revelstoke zum Glück endlich erreicht. Wahrscheinlich gibt es zum Essen auch wieder ein Bier, nach der Etappe…Morgen ist ausschlafen und Ruhetag angesagt.

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Mmh, Bananen...

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Kurz hinter Golden

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Auf dem Weg hoch zum Pass

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Rogers Pass
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Wasserfall zwischen Pass und Revelstoke

5.6. – Golden

Heute ging es weiter nach Golden. Landschaftlich war die Strecke weniger spektakulär.  Hatte fast ein bisschen was von Mittelgebirge zwischendurch. Schneebedeckte Berge gab es trotzdem wieder einige zu sehen. Das Panorama war er aber nicht mehr so grandios wie die letzten Tage.
Der Randstreifen war teilweise miserabel. Zig Schlaglöcher, schmal, Splitt, you name it. War alles mit dabei. Außerdem ziemlich heftiger Verkehr. Das Höhenprofil hat die Wirklichkeit heute nicht so richtig widergespiegelt. Teilweise waren ziemlich heftige Anstieg mit dabei. Dafür waren die Abfahrten dann wieder um so besser und es gab Zeit, die Beine zu entspannen. Jetzt sitze ich hier nach einem footlong chicken teriyaki sandwich am Golden Muncipal Campground und warte, dass es aufhört zu regnen. Morgen wird es für die 150km-Etappe hoffentlich sonnig.

Edit
Es gab doch noch ein paar witzige Sachen auf der Strecke zu sehen. Hatte ich schon ganz verdrängt. Zum einen dir spiraling tunnels der kanadischen Eisenbahn, die, Überraschung!, schleifenförmige Tunnel sind, die die Steigung reduzieren.
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Das führt dann wie man sieht dazu, dass der Zug wieder unter sich selber durch fährt.
Das andere Witzige war direkt am Highway:
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Ich stelle mir das so vor: „Jungs, Tunnel bauen für den Highway?“ – „Ne, komm, lass‘ wegsprengen, den Berg. Is‘ lustiger.“ – *wummmsssssss*
War sehr eindrucksvoll, da durch zu radeln. Die müssen eine Weile mit sprengen beschäftigt gewesen sein, um so einen tiefen Einschnitt in den Berg zu bekommen. Danach kam dann unten nach 3km mit 6% Gefälle 4km vor Golden noch einer dieser Arschlochhügel, mit denen man nicht rechnet, die sich ewig ziehen und die einem den Rest geben, aber danach war es dann nach einer weiteren kurzen Abfahrt geschafft.

3.6.-4.6. – Moraine Lake, Lake Louise und faulenzen

Heute morgen ging es nach einem für kanadische Verhältnisse bei der Größe extrem billigen Frühstück in Richtung Moraine Lake. Der Kellner meinte noch, nur die ersten 5km seien steil und danach sei es eher flach. Also ich weiß ja nicht, was die Bergbewohner unter flach verstehen, aber das war für mich alles andere als flach. Immerhin ging es am Schluss in Richtung See wieder runter (was natürlich blöderweise bedeutet, dass man auf dem Rückweg wieder hoch fahren muss). Dafür war die Abfahrt wieder um so spaßiger – vor allem die Kurven, die mit 30 beschildert waren. Das Trike macht einfach Spaß auf so einer Strecke.

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Wie man sieht, war der See Leider noch zugefroren, aber trotzdem sehr schön anzuschauen mit den riesigen Bergen im Hintergrund.
Vom Moraine Lake ging es dann direkt weiter zum Lake Louise. Den fand ich psrsonlich, zumindest mit der Schneekulisse und obwohl er noch touristischer ist, schöner. Hagen aus Bonn, der mir am Moraine Lake schon Tipps für die Weiterfahrt gegeben hat, habe ich dort auch wieder getroffen. Außerdem schickt er mir Bilder zu, die er von mir auf dem Weg hoch zum Bow Pass gemacht hat. Eigentlich hat er mit 10000 anderen Touristen Fotos vom Bären am Straßenrand gemacht, bis ich dann kam. Er fand es amüsant, dass ich während der Fahrt fotografiert und nicht angehalten habe…Danke, auf nähere Bekanntschaft mit einem Grizzly kann ich verzichten. Und jetzt ist Faulenzen angesagt, bevor es morgen früh nach Golden weitergeht.

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Flauschiger kleiner Grizzly
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Unvorteilhafter dicker Bärenhintern
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Lake Louise
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Ja, es war kalt. Ziemlich.
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Chateau Lake Louise