31.5.-3.6. – Ruhetag und der Icefields Parkway

Samstag war der Ruhetag in Jasper. Hat gut getan, mal länger zu schlafen. Danach gab es dann wieder Muffins und Sticky Cinnamon Buns in der Other Paw Bakery. In das Zeug könnte man sich reinlegen. Als ich zurück gekommen bin, war mein Zelt von Elchmüttern umzingelt, was ich erst später gemerkt habe, nachdem ich fünf Meter an ihnen vorbei gefahren bin. Ups. Erstmal gemütlich ganz langsam rückwärts gelaufen und dann gewartet. Das Fangenspielen zwischen Baum neben Zelt uns Zelt fand ich weniger witzig. Schön,  dass die Elche Spaß hatten, aber ich hab mir dann doch mehr Sorgen um das Zelt gemacht. Irgendwann nachmittags kamen die Ranger vorbei und meinten,  ich solle wegen der Elchmutter aufpassen. Ähhh, ja. Ansonsten nix weiter gemacht den Tag über.  Abends gab es dann einen der letzten ersten Burger,  die ich je gegessen habe, in der Brewery. Zusammen mit einem Bier, das wirklich gut war.
Montag ging es dann weiter auf den Icefields Parkway. Aber erst nach einem ordentlichen Frühstück in der bekannten Bäckerei.  Die erste Etappe war anfangs noch eher langweilig. Irgendwann wurde ich bei einer der Pausen von Sandra aus Biel eingeholt, die mir gesagt hat, dass es ein paar Kilometer hinter dem Jonas Creek Campground, auf dem ich ursprünglich übernachten wollte, noch ein Hostel gibt. War zwar sehr rudimentär (Waschen im Fluss,  Plumpsklo, abspülen mit Flusswasser, yay!), aber echt schön gelegen.

image
Athabasca Falls
image
Sunwapta Falls
image
Füße abkühlen im Athabasca
image
Am Hostel

image

image

Essen war eher mau. Dosenravioli und Baked Beans, aber hat halbwegs satt gemacht. Brian, der Manager, musste mit allen Pingpong auf der selber gebastelten Tischtennisplatte spielen und war auch sehr stolz auf sein neues Badmintonnetz.
Von dort ging es dann gegen 9 am nächsten Tag in Richtung Columbia Icefields weiter. Erster Pass. Und dazu war er ganz schön heftig. Es ging irgendwas um die 20km eher kurz und steil hoch. Die Berge waren ziemlich spektakulär,  aber die schönsten Panoramen sollte erst noch auf der anderen Seite kommen. Die Icefields sind eher meeh…Wahnsinnig touristisch, dutzende Busse mit Chinesen und nicht so spektakulär anzuschauen, dafür extrem teures Essen. Die Abfahrt danach war dafür der Wahnsinn. Mit 70 den Berg runter – sehr spaßig.

image
Wasserfall auf dem Weg hoch
image
Erdmännchen?
image
Endlich mal Big Horn Sheep
image
Richtung Icefields

image

image
Gletscherbus
image
Die Abfahrt beginnt
image
Noch mehr Wasserfälle

Unten ist mir dann noch Frank entgegen gekommen, ein Lübecker, der ein Jahr durch die Weltgeschichte radelt. Lustiger Kerl.

image

Bin dann erstmal am Rampart Creek Hostel vorbei gefahren,  12km weiter bis Saskatchewan River Crossing, Essen kaufen. Auf dem Weg zurück kamen mir noch die beiden Studis aus Würzburg im Auto entgegen, die auch im Beauty Creek Hostel waren und haben mir zwei Bier abgetreten haben. War übrigens gar nicht so schlecht,  wie ihr meintet,  falls ihr das lest. Mir hat es nach der ersten Passetappe extrem gut geschmeckt! Das Ramen eher weniger. Heute ging es dann weiter in Richtung Lake Louise, über den Bow Pass. Auch wieder eine spektakuläre Landschaft…Und zum ersten Mal habe ich einen Bären gesehen, nachdem ich den Grizzly gestern vor dem Hostel übersehen habe. Sah ziemlich friedlich aus. Der hat einfach nur gegrast und sich um nix gekümmert. Touris im Auto? Egal. Radler auf einem komischen Untersatz? Auch egal. Hauptsache Gras! Und nicht zu schnell bewegen! Bilder sind noch auf der Kamera und kommen irgendwann. Morgen steht der Moraine Lake auf dem Programm. Jetzt gibt’s nach 92km und etlichen Höhenmetern erstmal noch ein Bier!

30.5. – Maligne Lake

Heute stand Maligne Lake auf dem Programm.  Ging erst um 9 los, weil ich noch eine sensationelle Bäckerei entdeckt habe. Muffins können die Kanadier. Mit drei Muffins und einem Kaffee im Bauch ging es dann schließlich los. Erst Richtung Maligne Canyon,  von dort dann weiter zum Medicine Lake und dann schließlich zum Maligne Lake. Die Strecke sieht in Google Maps wesentlich harmloser aus, als sie ist. Ziemlich fiese Steigungen, auch ohne Gepäck,  die teilweise nur im Granny Gear gingen. Blöderweise sind die wohl so kurz, dass sie im Höhenprofil nicht richtig zu erkennen sind. Am Medicine Lake dann erstmal Pause gemacht und nach einer viertel Stunde weiter geradelt. Unglaublich, wie sich die Straße um den See zieht. Dann nochmal etliche fiese Steigungen. Nach 4 Stunden strampeln war ich endlich oben am See. Leider bei grauem Himmel. Der Anblick er trotzdem ziemlich spektakulär, vor allem wegen der Bergketten außen herum.
Und dann die Abfahrt. Leider hatte ich wie auf dem Weg nach Jasper Gegenwind. Zum Mittreten war’s trotzdem zu schnell. Und der Anblick war teilweise noch spektakulärer als au dem Weg hoch. Bis nach Jasper habe ich für die 52km statt vier Stunden nur knapp zwei gebraucht. Spaßige Sache. Und jetzt gibt’s verbotenerweise bei earl’s einen riesigen Teller Pasta und ein Bier. Morgen ist endlich nach über 500km Ruhetag. Bilder folgen noch, sobald es Free WiFi gibt.

29.5. – Jasper!

Erkenntnis des letzten Abends: Baked Beans mit Maple Syrup sind ziemlich geil. Heute Morgen bei der Abfahrt dann festgestellt, dass die Scheibenbremsen komisch sind. Beläge komplett runter. Warum habe ihn nochmal das Rad zur Inspektin mit der Bemerkung abgegeben, dass alles 1700km überleben muss und alles was das nicht mehr schafft ausgetauscht werden soll? Also nach Hinton zurück geradelt, bei Vicious aufgeschlagen und gefragt, ob sie Ersatzteile haben. Nö. Auch keine Bremsen. Aber der Hand dann mit einem Radladen in Jasper telefoniert, der meinte, dass er sowas hat. Also 80km ohne zu bremsen nach Jasper geradelt. Leider hat sich dort dann rausgestellt, dass es die Bremse nur in Europa gibt. Grosses Tennis. Aber sie hatten eine Shimanobremse da. Hatten – jetzt ist sie am Rad verbaut. Gut, dass der Spaß nur 360CAD gekostet hat. Wer aber mal in Jasper einen coolen Radladen sucht oder einfach plaudern will, sollte mal bei Freewheel Cycle vorbeischauen. Ziemliche Fahrradnerds, die so ziemlich jeden Highway in Alberta und BC befahren haben. Nächstes Mal dann wohl Inspektion bei Haasis Radschlag. Immerhin passt die Bremssattelfarbe zur Rahmenfarbe, und man bekommt wirklich überall Ersatzteile. Die Fahrt nach Jasper selber war großartig.  Endlich Berge. Endlich kein Regen mehr. Die Fahrt gestern durch den Regen hat mir allerdings noch sehr in den Knochen gesteckt. Die Landschaft hat heute für alles entschädigt.  Morgen steht dann Maligne Lake auf dem Programm.

image

Gesammelte Bilder der letzten drei Tage

image
Pferdchen
image
Die gesamte Idylle
image
Lions Park Campground in Edson
image
Gab schon fotogenere Momente. Auf dem Weg nach Entwistle nach viel Regen und Hügeln
image
Rolling Hills
image
Erstes Mal Zelt aufgebaut (Pembina River)

image

image

image
Wie jetzt? In Entwistle schon?
image
Everyone likes squirrels!
image
Pembina River
image
Schrottplatz am Highway

image

image
Irgendwo auf dem Weg nach Entwistle
image
Obed Summit. Nicht mehr soo weit bis Hinton.

27.5.-28.5. – Von Entwistle über Edson nach Hinton

Der Morgen in Entwistle war super. Nachts noch ein paar Tropfen und dann strahlender Sonnenschein. Da gestern niemand mehr am Häuschen saß und morgens wohl noch niemand, war die Nacht kostenlos. 30$ gespart. Beim lokalen Bäcker gab’s dann Kaffee und drei riesige Muffins. Um 7 Uhr sind die Kanadier wohl üblicherweise noch nicht beim Bäcker anzutreffen. „You are soooo early!!!“ So schön wie der Tag angefangen hat, so schlecht ging er weiter. Gut war: keine rolling hills mehr. Schlecht: ständige Regenschauer.  Also alle 10 Minuten rein in die Regenklamotten und 15 Minuten später wieder raus. So ging das 100km. In Edson wurde ich dann aber zum Glück mit Sonne empfangen. Der Campingplatz war, nun ja, interessant. Hauptsächlich wohl Dauercamper, teilweise Baustelle, die Managerin lebt in einem kleinen, verrauchten  Wohnwagen auf dem Gelände und fährt ständig mit dem Golfcart im Kreis. Die Toiletten waren jetzt auch nicht unbedingt in einem angenehmen Zustand.  Am nächsten Morgen wurde ich von einem tiefgrauem Himmel geweckt. Ungefähr 10 Minuten nach Abfahrt fing dann der Regen an. Wie aus Eimern. Regenklamotten ausziehen war überflüssig. Dazu dann noch: rolling hills. Yey! Immerhin gab es hier in Hinton noch eine Cabin auf dem Zeltplatz. Heute Nacht ist’s also trocken und warm, und morgen gibt’s frisch gewaschene Klamotten. Und gleich das Highlight zum Abendessen: Baked Beans mit Maple Syrup!

26.5. – Rolling Hills und Regen

Nachdem ich letzte Woche das Wetter in der Gegend gesehen hatte, hatte ich mich eigentlich schon gefreut. 25°C, Sonnenschein. Heute dafür gefühlte 5°C und Regen. Fast den ganzen Tag. Und teilweise wirklich in Strömen. Dazu kamen die rolling hills in Richtung Evansburg. Wer hat noch mal behauptet, Alberta sei flach. Ein ständiges hoch und runter. Sehr zermürbend.  Ich schätze mal, dass es heute gute 1000HM waren, obwohl ich an Höhe nix gewonnen habe. Aus Edmonton auf dem Highway raus radeln war auch wieder eher grenzwertig. Leider gibt es auf der Strecke absolut keine Alternative. Also Augen zu und durch. Zu sehen war wegen der ganzen Regentropfen auf der Brille eh nicht viel. Jetzt liege ich hier in meinem Minizelt mitten im Nirgendwo, keine Sau auf dem Campingplatz. Entwistle ist jetzt leider auch nicht so die Stadt, in der man was machen könnte.  Ein Supermarkt und das war’s. An der Autobahn noch einer der vielen Liquor Stores. Morgen geht’s dann früh weiter nach Edson. Mal schauen wie schnell das Zelt wieder abgebaut ist.

I’m an alien…

…oder wie Kanadier auf Liegeräder reagieren. Das war extrem auffällig heute, wie oft man angesprochen wird. „You have a ways of getting ‚round!“ Unglaublich viele haben gefragt, wo man sowas kaufen kann. Mal gucken, ob sich der HP-Händler über neue Kunden wundert.

Aber zurück zu gestern. Das Rad kam natürlich kaputt an. Speiche total verbogen (genau wie die Felge), Schnellspanner vom Sitz verbogen, dicke Macke im Lack. Naja, fuhr noch. Nach mehreren Anläufen über Range Roads parallel zum Highway, die alle in tiefem Schotter endeten, hatte ich dann beschlossen, den Highway zu nehmen. Wer auch mal sowas machen will: nehmt ihn NICHT, sucht euch vorher über Google Maps eine alternative Strecke. An den Auf- und Abfahrten war es schon sehr abenteuerlich. Teilweise zweispurig, grösstenteils blinken die Kanadier genau wie die Deutschen nicht, was dann etwas blöd sein kann, wenn ein SUV mit 120 auf einen zukachelt. Dann in Edmonton ein paar mal verfahren,  aber nach einer knappen Stunde bin ich dann doch beim AirBNB-Dingens angekommen.
Heute wurde dann das Vorderrad so gut es ging repariert und ich bin so noch endlich ganzen Tag durch Edmonton geradelt. WestEd stand auf dem Programm,  Downtown und das River Valley. Jetzt gewittert es. Morgen geht es dann los nach Evansburg, hoffentlich mit besserem Wetter. Was Fahrradfahrer angeht, sind die Kanadier übrigens echt super. Wurde selten so oft über die Strasse gelassen, es gab bisher keine Idioten,  die mit 10cm Abstand überholen und das Vorurteil über Kanadier stimmt. Teilweise lassen sie das Fenster beim Vorbeifahren runter und bedanken sich, wenn man etwas Platz gemacht hat. Kann so bleiben.

image

image
River Valley
image
Downtown

Einkäufe…

Mittlerweile bin ich ja fast Stammkunde beim Basislager… Donnerstag waren Regenhose, lange Radhose (beide von Vaude), Unterwäsche und Netzteil für die USA/Kanada dran. Lohnt sich auf jeden Fall, für die Radhosen etwas mehr auszugeben. Die Zip-Off von Vaude ist extrem bequem und die Regenhose passt perfekt und raschelt fast nicht. Muss nur noch im Regen getestet werden 🙂

Und beim rauskommen durfte ich dann feststellen, dass irgendwer sein Fahrrad auf mein Hinterrad hat kippen lassen – Loch im Schutzblech 🙁